
Die Rekordrallye des S&P 500 ruht auf schmalen Fundamenten
Der S&P 500 hat erneut Rekordhöhen über 7.100 erreicht, doch der jüngste Anstieg wirkt fragiler, als es der Indexstand vermuten lässt. Unter der Oberfläche verweisen Strategen auf eine konzentrierte Führungsriege, eine geringe Marktteilnahme und eine starke Abhängigkeit von wechselnden Schlagzeilen aus dem Nahen Osten – all das macht den Markt anfällig, falls sich die Nachrichtenlage verschlechtert.
Der Leitindex hat sich seit dem Tief Ende März kräftig erholt. Eine große Nachrichtenagentur berichtet, dass er im April fast 9 % zugelegt hat – einer der stärksten Monatsgewinne der letzten Jahre. Eine andere meldet, dass der S&P 500 Ende Januar erstmals die Marke von 7.000 Punkten überschritten hat, angetrieben von der Begeisterung für Aktien aus dem Bereich künstliche Intelligenz, und Mitte April erstmals über 7.000 schloss, während er eine Reihe neuer Allzeithochs erreichte. Der jüngste Anstieg erfolgte, obwohl der anhaltende Krieg unter Beteiligung des Iran zunächst die Ölpreise in die Höhe schnellen ließ und US-Aktien zu Jahresbeginn kurzzeitig in eine Korrektur drängte.
Rückschlag am Wochenende nach erneuten Hormuz-Spannungen
Der jüngste Optimismus wurde am vergangenen Wochenende erschüttert, als die Spannungen zwischen Washington und Teheran in der Straße von Hormuz, einer wichtigen Route für den weltweiten Öltransport, erneut aufflammten. Laut einem vielzitierten Agenturbericht beschlagnahmten US-Streitkräfte ein unter iranischer Flagge fahrendes Frachtschiff, woraufhin der Iran mit neuen Drohungen reagierte, die das Risiko erneuter Einschränkungen für den Tankerverkehr durch die Wasserstraße erhöhten. Das weckte erneut Sorgen, dass die Meerenge, die kürzlich wieder für die Handelsschifffahrt geöffnet wurde, erneut gestört werden könnte.
Am Montag, dem 20. April, gaben US-Aktien einen kleinen Teil ihrer Rekordrallye wieder ab. Der S&P 500 fiel um etwa 0,2 % bis 0,3 %, der Nasdaq Composite verlor in ähnlichem Umfang, und der Dow Jones Industrial Average schloss leicht im Minus, da ein Anstieg der Ölpreise und neue geopolitische Unsicherheiten einige Anleger dazu veranlassten, Gewinne mitzunehmen.
Brent-Öl stieg angesichts der neuesten Schlagzeilen deutlich an und kletterte um etwa 5 % bis 6 % auf die Mitte der 90 US-Dollar pro Barrel, während auch US-Öl-Benchmarks zulegten. Damit lagen die Preise zwar noch unter den dreistelligen Höchstständen früherer Störungen, doch die Entwicklung unterstreicht, dass der Energiebereich weiterhin ein aktives Inflationsrisiko für die Märkte darstellt.
Ein Rekordlauf, getragen von wenigen Giganten
Was Marktexperten beunruhigt, ist nicht der Rücksetzer eines einzelnen Tages, sondern die Struktur des vorangegangenen Anstiegs. Ein großes Finanzmedium beschreibt die jüngste Rekordrallye als Paradebeispiel für eine „ungeliebte“ Rallye – mit enger Führungsriege, niedrigen Handelsvolumina und verhaltener Anlegerstimmung, obwohl der S&P 500 neue Höchststände erreicht.
Die Analyse zeigt, dass rund 45 % der Erholung seit dem Tief Ende März nur von fünf Large-Cap-Aktien getragen wurden – ein Hinweis darauf, wie sehr sich die Marktentwicklung auf eine kleine Gruppe von Gewinnern konzentriert. Indikatoren für die Marktbreite zeigen, dass weniger als die Hälfte der S&P 500-Mitglieder über ihren 200-Tage-Durchschnitten notieren – ein Profil, das laut zitierten Strategen eher einer Zwischenerholung in einer Korrektur als dem Beginn eines breit angelegten Bullenmarktes entspricht.
Der Technologie- und KI-Sektor hat dabei die Hauptlast getragen. Ein Index, der einen Korb der größten US-Technologiewerte abbildet, hat sich seit dem Tief Ende März um rund 20 % erholt und damit einen erheblichen Rückgang vom Höchststand des Vorjahres wettgemacht. Diese Erholung war ein wesentlicher Treiber für den Anstieg des S&P 500 auf neue Höchststände. Innerhalb dieser Gruppe sind einzelne Schwergewichte zum Sinnbild der Trendwende geworden, nachdem sie sich nach früheren Rückgängen stark erholt haben.
Analysten warnen, dass die Nachhaltigkeit der Rallye stark davon abhängt, dass diese wenigen Megacaps weiterhin die Gewinnerwartungen übertreffen und ihre hohen Bewertungen halten können. Sollte einer der führenden Namen schwächeln, könnte die mangelnde Breite darunter die Abwärtsbewegung verstärken.
Gewinne und Bewertungen: Unterstützung mit Vorbehalten
Frühe Signale aus der Berichtssaison zum ersten Quartal haben das Bullen-Szenario gestützt. Große Nachrichtenagenturen berichten, dass die Gewinne der US-Unternehmen in diesem Jahr solide wachsen dürften, wobei Technologie und verwandte Sektoren eine führende Rolle spielen. Der bisherige Teil der S&P 500-Unternehmen, der bereits berichtet hat, hat die Analystenerwartungen größtenteils übertroffen. Mehrere große US-Banken haben besser als erwartet abgeschnitten und auf eine robuste Konsumausgaben hingewiesen – trotz monatelang hoher Zinsen und geopolitischer Risiken.
Gleichzeitig deuten Bewertungskennzahlen darauf hin, dass der Spielraum für Enttäuschungen begrenzt ist. Mit dem S&P 500 auf Allzeithochs sind die Kurs-Gewinn-Verhältnisse wieder auf die Höchststände vom Jahresanfang gestiegen, sodass Aktien laut zitierten Strategen mit einem Aufschlag gegenüber den langfristigen Durchschnitten gehandelt werden. Einige in der Finanzpresse hervorgehobene Analysen weisen zudem darauf hin, dass die Aufwärtskorrekturen der Gewinnerwartungen seit Beginn des Iran-Konflikts auf eine relativ kleine Gruppe von Unternehmen konzentriert waren – und nicht breit über den Index verteilt.
Für Anleger bedeutet diese Kombination – hohe Bewertungen, konzentrierte Gewinnführer und geopolitische Unsicherheit –, dass selbst moderate Enttäuschungen bei Gewinnen oder Ausblicken, insbesondere von großen Technologie- und KI-Werten, eine deutlichere Korrektur auslösen könnten.
Worauf die Märkte als Nächstes achten
Der Verlauf des Konflikts und der Status der Straße von Hormuz bleiben für die kurzfristigen Aussichten risikobehafteter Anlagen zentral. Die jüngste Marktberichterstattung betont, wie sensibel Aktien auf jede Wendung in der Hormuz-Geschichte reagieren: Die Wall Street legte zu, als der Iran die Meerenge wieder öffnete und die Ölpreise fielen, gab aber einen Teil der Gewinne wieder ab, als neue Spannungen das Risiko erneuter Störungen erhöhten.
Sollte die Pattsituation erneut entschärft werden und der Tankerverkehr durch Hormuz weiter fließen, würde das den Druck auf Energiepreise, Inflationserwartungen und die Zentralbankpolitik verringern und den Aktienbullen möglicherweise mehr Spielraum verschaffen. Ein Scheitern der Gespräche oder eine weitere Eskalation hingegen könnte den Ölpreis wieder in Richtung der jüngsten Höchststände treiben und Investoren dazu zwingen, ihre Annahmen zu Wachstum, Gewinnen und Zinspolitik zu überdenken.
Unterdessen werden Indikatoren für die Marktbreite und Führungstrends genau beobachtet. Sollten sich die Gewinne auf mehr als nur eine Handvoll Megacaps ausweiten – mit mehr S&P 500-Mitgliedern, die wichtige gleitende Durchschnitte zurückerobern, und Sektoren außerhalb der Technologiebranche, die stärker zu den Renditen beitragen –, würde das laut Strategen die Argumente für einen nachhaltigeren Bullenmarkt stärken. Bleiben hingegen neue Höchststände auf schmalen Fundamenten und die geopolitischen Risiken hoch, könnte die Spanne von 7.000 bis 7.100 eher als Decke denn als neuer Boden für den Index fungieren.